Schulung am Automatikgetriebe und Schraubertreff

Ein Technikseminar mit guter Erklärung der Getriebeautomaten in Theorie und Praxis hat der RT 69 Kurpfalz zuletzt vor zwei Jahren mit dem Mercedes-Benz Schulungsleiter Gerhard Schulz durchgeführt. Dennoch bestand der Wunsch bei 11 Besitzern von Automatikfahrzeugen, sich ihre Getriebe von Gerhard Schulz erklären und untersuchen zu lassen. Für einen schulungsmäßigen Techniktreff sind bei den räumlichen Gegebenheiten 15 Fahrzeuge optimal. Das rechtfertigt auch den organisatorischen Aufwand und die Kosten für die Anreise des Schulungsleiters.

Erfahrungsgemäß ist es für die Teilnehmer sehr langweilig, zum xten Mal von unten an den Getrieben nach Leckagen zu suchen, den Unterdruckschlauch und die Gummikappe an der Unterdruckdose auf dichten Sitz und Risse zu prüfen, ferner wiederholt zuzuschauen, wie die unterschiedlichen Luftfilter abgenommen werden, der jeweilige Druckzuges exakt eingestellt wird und wie der Getriebe-Ölstand korrigiert wird. Beim eigenen Fahrzeug ist das hoch interessant, keine Frage. Bei einem völlig anderen Motor schaut man auch noch gerne zu, aber zehn Mal hintereinander…? Die Idee, die unvermeidlichen Wartezeiten sinnvoll mit einem Schraubertreff zur Scheinwerferwartung zu füllen, führte dazu, dass wir bei 16 Teilnehmern schnell die Meldeliste für dieses Doppelangebot schließen mussten.

Der Techniktreff bei der Firma Haider–Trezza in Edingen klappte wie geplant. Nachdem an einem Fahrzeug vom Schulungsleiter alles am Getriebeautomaten ganz ausführlich erklärt war, begannen die meisten Teilnehmer mit der Wartung der Beleuchtung. Sobald der eigene Getriebeautomat dran war, unterbrach man die Wartungsarbeiten. Dann war halt ein Einäugiger auf der Hebebühne oder bei der Testfahrt.

Einige Erkenntnisse vom Schraubertreff: Sicher ist allen Clubmitgliedern bekannt, dass kein Glühbirnentausch ohne Ausbau der Scheinwerfer möglich ist. Dazu ist als erster Schritt die schmale Abdeckleiste abzuschrauben. Wenn sich aber bereits diese nicht problemlos hinter der Stoßstange heraus nehmen lässt, kann wohl etwas mit der bei den Kaufverhandlungen zugesicherten „absoluten Unfallfreiheit“ nicht stimmen. Sitzt auch der Kotflügel so tief, dass der Scheinwerfer sich nur mit Kraft heraus winden lässt, schafft der Lack an der Tülle des Topfes letzte Klarheit und Nachdenklichkeit. In zwei Fällen musste die vordere Stoßstange gelockert und vorgezogen werden, bevor die schmale Abdeckleiste und die Scheinwerfer abnehmbar waren.

Die Abdeckleiste versteckt die beiden Einstellschrauben und zwei der drei Blechschrauben zur Befestigung des Scheinwerfers. Einige davon waren stark korrodiert. In einem Fall war ein Kopf einer Befestigungsschraube bereits abgefallen, ein weiterer fiel kraftlos ab. Man brauchte die Hilfe des Meisters, der mit einer schlanken Spitzzange jeweils den kopflosen Gewindestift heraus drehte. Solange nicht alle Reste der Befestigungsschrauben entfernt sind, lässt sich der Scheinwerfer nicht seitlich aus dem Nippel des Scheinwerfertopfes schieben, um ihn herausschwenken zu können.

Bei Fahrzeugen mit Scheinwerfer-Reinigungs-Anlage (SRA) muss vor dem Scheinwerferausbau der Wischer entfernt werden. Die Schraube des Wischers nur lösen, nicht herausdrehen, und den Wischer abziehen. Sie ist von unten gut zu erreichen.

Wie in der 107 Klassik 2/14 ab Seite 59 deutlich dargestellt ist, sind die Einstellschrauben und die flexiblen Wellen sehr von Korrosion bedroht. Eine flexible Welle war schon ohne Kreuzschlitz Betätigungskopf. Jörg war das vorher bekannt. Deshalb hatte er sich bei der Fa. SLS einen „Reparatursatz Flexible Welle“ besorgt. Es gelang ihm, den Betätigungsteil aus der flexiblen Welle heraus zu bekommen und diesen Teil des Reparatursatzes einzufügen. Da die Kunststoffzahnräder leicht laufen, wird die Reparatur wohl erfolgreich sein und ein neuer Reflektor (ca. 160 €) ist derzeit noch nicht erforderlich.

Bei einem anderen Fahrzeug war die Einstellschraube Seite völlig heraus gedreht. Der gelöste Reflektor sperrte sich gegen den Ausbau des Scheinwerfers. Die meisterliche Hilfe löste auch dieses Problem.

Verrostete Blechschrauben wurden durch neue ersetzt und alle Einstell- und Befestigungsschrauben wurden durch ein bisschen Mike Sanders vor dem braunen Feind geschützt. Wo sich der Einzelne überfordert fühlte, halfen andere Teilnehmer mit Rat und Tat. Wenn es wirklich schwierig wurde, haben die beiden Meister, Toni Trezza sen. und Toni Trezza jun. zugegriffen. Selbstverständlich wurden die Scheinwerfer nach Wartung oder Reparatur mit dem Prüfgerät der Werkstatt exakt in Höhe und Seite eingestellt. Beim nächsten TÜV dürfte es mit der Beleuchtung keine Probleme geben.

Manche H4 Lampen zeigten jeweils an der Abblendwendel glitzernde Stellen. Kleinste Teilchen des Wolframdrahtes wurden im heißen Betrieb abgedampft und wegen des Halogen Gasdruckes wieder an der Wendel in Kristallordnung abgelagert. Diese Wolframatome fehlen an anderen Stellen, und am dünnsten Querschnitt beschleunigt sich der Vorgang und die Wendel bricht. Wenn es glitzert, vorsorglich eine neue H4 einsetzen. Im Gegensatz zu den Abblendwendeln zeigten sich alle Fernlichtwendeln im Neuzustand. Das war nicht anders zu erwarten, sie werden nur selten ganz kurz gebraucht.

Tipp 1: Manche Schrauber hatten den Tipp in der 107 Klassik 2/14 auf Seite 61 beachtet und rüsteten auf mitgebrachte H4 plus 50% oder H4 plus 30% um. Diese erkennt man auch an der silbernen Kappe. Sie kompensieren die altersbedingt erhöhten Spannungsverluste an Lichtschaltern, Relais, Sicherungen und Leitungsteilen. Damit kann man Leuchtweiten ähnlich dem einstigen Neufahrzeug erreichen.

Tipp 2: Wer Stoßstangenprobleme hat oder „nie“ im Dunkeln fährt, setzte auf die etwas schwächeren Standard H4 Brenner. Wer „ewige“ Haltbarkeit wünscht, setzt die funzeligen Longlife ein. Egal welcher Typ eingesetzt wird, immer paarweise gleiche, sonst sieht es schäbig aus.

Übrigens, die 21 Watt Kugelbirnen für Blinker, Bremslicht, Nebelrücklicht, Rückfahrlicht und die Soffitten haben Vakuum anstelle Halogengas. Deshalb lagern sich die emittierten Wolframatome nicht an der Glühwendel als Kristalle ab, sondern bilden auf der Innenfläche des Glases einen zunehmenden schwarzen Wolframbelag.

Tipp 3: Auch leicht gedunkelte Kugelbirnchen und Soffitten ersetzen, bevor die geringe Lichtausbeute noch weiter abnimmt. Die Soffitten der Innenbeleuchtung, des Kofferraums, des Kennzeichens und des Handschuhfachs nicht vergessen.

Die Nebelleuchten dienen nur der äußeren Optik. Welcher SL oder SLC war in den letzten 20 Jahren bei gesetzlich definiertem Nebel unterwegs? Dennoch überprüft der TÜV Funktion und Einstellung dieser unnützen Dinger. In einem Fall konnte der Ersatz einer verlorenen Befestigungsschraube ihr zittriges Verhalten beenden. Bei einer Regenfahrt können sie stark beschlagen, da die dicke Dichtung geschrumpft sein kann. Ist die Entlüftung an der Unterseite des Scheinwerfers nicht verstopft, entweicht die Feuchtigkeit wieder.

Wenn nicht nur im Ausland, sondern auch bei uns die umstrittene Vorschrift kommt, die Frontbeleuchtung im Sonnenschein einschalten zu müssen, finden hoffentlich die Nebelleuchten eine technische Daseinsberechtigung. Man sollte sich eine Umrüstung ausdenken.

Dank Gerhard Schulz, der gegenseitigen Hilfe der Clubmitglieder und der vorbildlichen Unterstützung durch die Firma Haider-Trezza in Edingen war das eine sehr gelungene Clubveranstaltung, das meint nicht nur

Ihr/ Euer

Helmut Lang

Leiter des Regionaltreffs 69 Kurpfalz

Die Bilderklärungen

Der Rest bei der Nachbesprechung: Schulungsleiter (weißes Hemd), Frau Trezza (rechts vorne), Toni Trezza sen. (blaues Hemd), Toni Trezza jun. (stehend links)

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Diese Gummikappe dichtet die Unterdruckdose nicht mehr ab. Fehlluft führt zu falschen Schaltpunkten des Automaten

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Rostfreier Lampentopf. Schmirgel, gute Rostschutzfarbe und Pinsel lagen bereit

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Durch Drehen der Halteklipse kann der Scheinwerfer zerlegt werden

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Frühe und späte Ausführung der Scheinwerfer

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Die Bauform ohne Leuchtweitenregulierung ist als Ersatzteil nicht mehr lieferbar

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Auch in die älteren Baujahre ohne Unterdrucksteuerung passt dieses Ersatzteil

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Vor dem Ausbau der Scheinwerfer sind die Wischerarme von unten zu lockern und nach oben abzunehmen

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