Anfang der 1970er Jahre war die Firma Accu Lux mit einem patentierten Produkt recht erfolgreich am Markt. Die an jeder Steckdose aufladbare, eiförmig gerundete Taschenlampe wollte jeder haben. Der Luxus-Sportwagen von Mercedes-Benz, der Nach-Nachfolger des weltberühmten 300 SL, musste dieses zeitgemäße Accessoire seinem Besitzer unbedingt bereithalten.

Ein beleuchtetes Handschuhfach war damals wohl eine conditio für „Luxus“. Pardon, inzwischen heißt das eher „edle Anmutung“ der „Premium-Ausstattung“. Bedeutet nicht Luxus eine erlesene, verfeinerte Lebensführung; abgeleitet von lux = Licht, also Strahlkraft? Luxus und Qualität sind noch halbwegs nachprüfbare Begriffe, aber ist „Anmutung“ mehr Zumutung oder mehr Vortäuschung oder was? Egal ob alte Römer oder aktuelle Werbetexter, Licht musste ins Handschuhfach.

Da schien es geradezu genial, wenn man die Handschuhfachleuchte einfach aus ihrer Steckdose ziehen und mitnehmen konnte, um damit bei Dunkelheit einem Namensschild an der Hausglocke sein Geheimnis entlocken zu können.

Eine Millionenzahl weißer, rundlicher Accu Lux Leuchten für die 220 V Steckdose wurde unter das Volk gebracht. Für MB wurde ein Design kreiert, das auch nach 38 Jahren nicht altbacken wirken sollte: Es musste grau, flach und eckig sein, und die Bordnetzspannung mögen (Bild 1). Damit ihr spärliches Licht nicht direkt in die Augen gelangte, erhielt die Kappe mit der Streuscheibe noch eine einseitige Blende. Einige Ausführungen durften sich sogar mit einem Mercedes-Stern zieren.

In 220 V Typen wurde mit einem R-C-Glied die hohe Wechselspannung für die Gleichrichterbrücke herabgesetzt. Viel einfacher geht es im grauen Gerätchen zu, da wird die 12 V Gleichspannung ständig über einen Widerstand an die Akkus gelegt. Statt großem Kondensator, Gleichrichterbrücke und zwei Widerständen nur ein einziger Widerstand. Beide Typen verwendeten je zwei NiCd Akkus, die das 2,2 V Linsenbirnchen mit bis zu 0,7 W leuchten lassen sollen (Bild 2). Leider merken sich diese Akkus, wie viel ihnen früher abverlangt wurde und knausern beim nächsten Entladezyklus. Wegen dieses so genannten Memory Effekts schrumpft bei wiederholter Teilentladung die Kapazität.

Öffnet man das Handschuhfach, wird anfangs mit 300 mA, dann abfallend bis unter 150 mA entladen. Jetzt müsste bei neuen Akkus die Klappe fast eine Stunde geöffnet bleiben, bis das Birnchen nur noch rötlich funzelt, damit die Knopfzellen entladen sind. Ab dem Schließen des Deckels wird mit ca. 8 mA geladen, was ungestört ca. 24 Stunden andauern sollte. Zum Schutz der Akkus müsste dann die Ladung beendet, oder zumindest auf die Selbstentladung (geschätzt 0,05 mA) reduziert werden.

Unter Verzicht auf den gebrauchsgemäßen Nutzen, der automatischen Beleuchtung beim Öffnen der Klappe, lässt sich die Lebensdauer verdoppeln. Die Accu Lux bleibt ständig außerhalb ihrer Steckdose und wird bei Bedarf wie eine normale Taschenlampe benutzt. Ist irgendwann der Akku leer, darf sie ca. 24 Stunden an ihrem Stammplatz zum Auftanken. Wem gefällt so ein Zirkus?

Da solche Betriebsbedingungen illusorisch sind, nimmt die Kapazität bald deutlich ab, um bereits nach wenigen Jahren nur eine sehr kurze Leuchtdauer zu bieten und schließlich ganz zu versagen. Bild 2 zeigt deutlich, wie die ständige Ladung den aggressiven Elektrolyten durch die Dichtung getrieben hat. Im Vergleich dazu sehen die Innereien einer doppelt so alten 220 V Taschenlampe geradezu jugendlich aus. Die nicht so gestressten Zellen hatten ein viel längeres, aber auch kein ewiges Leben.

Will man wieder Licht ins dunkle Handschuhfach bekommen, ist der Weg zur ET-Theke fällig, wo man derzeit mit 29,76 Euro (mit Clubkarte vielleicht etwas weniger) antreten muss. Ein stolzer Preis für so wenig Innerei in veralteter, kurzlebiger Technik. Moderner Stand der Technik wäre: Kleinere Lithium Knopfzellen, eine Hochleistungs LED anstelle des ineffektiven Glühbirnchens und Ladestrom Abschaltung. Alles im äußerlich unveränderten Gehäuse. Originalität? – Ja, absolut!

1977 hatten die millionenfach verkauften 220 V Eier ihre besten Zeiten hinter sich und der Modegag begann abzuklingen. Folglich verschwand auch das nette Accessoire samt Steckvorrichtung aus der Ausstattungsliste. Zum 1.9.77 nach 93 836 ausgelieferten R/C 107 wurde die Weiterentwicklung der Handschuhfachbeleuchtung gültig: In die Pappe eingelassen ist nun ein Einsatz ähnlich der Einstiegsleuchte mit 5 W Soffitte. Fortan kommt der Lampenstrom nicht mehr aus den Knopfzellen, sondern über das Zündschloss vom Bordnetz. Da jetzt der Schalter am Rahmen des Handschuhkastens verbaut ist und auch sonst nichts passt, bleibt für alle Älteren als Bj. 78, nur die Wahl zwischen Pest, Cholera und Finsternis. Entweder regelmäßig an der Teiletheke löhnen, um eine schwache Accu Lux zu haben, oder Kauf eines neuen Handschuhkastens samt Soffittenlämpchen und Schalter und selbst den Schaltereinbau basteln, oder unbeleuchtetes Fach.

Etwas Nettes nebenbei: Mein zehn Jahre später gelieferter 300 SL ist am Deckel des Handschuhfachs mit der gefederten Betätigung zum Ausschalten der Accu Lux ausgestattet (wie in Bild 15, linke untere Ecke). Ist das bei allen so? Da muss doch einer das Einsparpotential übersehen haben.

Der Erst- und Dauer-Besitzer eines der ältesten 280 SL (FIN …00015) machte sich so seine Gedanken: Weshalb sollte man in einem der edelsten Sportwagen seiner Zeit, der die jeweils neuesten technischen Errungenschaften seinen Nutzern bot, auf die nun zeitgemäße Wegweisung verzichten? Im Handschuhfach ist ja diese Spezialsteckdose, deren Bewohnerin kürzlich verstorben ist. Und da der „Strom aus der Steckdose kommt“, sollte er ein Navi versorgen.

Aber für nicht normierte Steckvorrichtungen sucht man meist vergeblich nach Paßstücken. Beim Provisorium aus Bananenkupplungen konnte Plus und Minus mit fatalen Folgen verwechselt werden. Man könnte doch das Steckerteil der verstorbenen Accu Lux abtrennen und für den Anschluss einer Eurokupplung (Zigarettenanzünderdose) nutzen. Die Asymmetrie gewährleistet die richtige Polarität.

Beim Clubabend in Ittlingen sprachen wir darüber und ich bot dem Clubfreund meine „Lötkünste“ an und versprach, zusätzlich eine effektive Handschuhfachbeleuchtung zu kreieren.

Planung: Am Auto bleibt alles absolut unverändert, nur das steckbare Accessoire wird modifiziert. Der Einschaltmechanismus wird weiter genutzt. Die Ausleuchtung des Handschuhfachs soll deutlich besser sein als ab Bj. 78. Kleingeräten wird im Handschuhfach eine Steckkupplung nach Euro-Norm geboten. Die mobile Beleuchtungsfunktion übernimmt ein winziges LED Taschenlämpchen, am Schlüsselbund angehängt, gut für 50 Stunden Schlüssellochsuche und käuflich für zwei Euro.

Da müssten ja alle 107er Fan Fraktionen jubilieren, weil der absoluten Originalität am Auto kein Härchen gekrümmt wird und auch im Inneren des Handschuhfaches nach einem kostenpflichtigen Besuch der Teiletheke die maximale Originalität in 5 Sekunden wieder herstellbar ist. Optimal ist auch die Originalität des Gebrauchsnutzens, gesteigert im Sinne der MB-Entwicklungs-Philosophie. Auch die Spaß-Optimierer sind zweifellos zufrieden. Nur bei der 4. Fraktion der 107er Fans, den Kapitalanlegern bin ich mir nicht sicher, ob ein Accu Lux Gehäuse aus der Erstzulassungszeit, gefüllt mit einem Häufchen hochgiftiger Metallsalze, renditeträchtiger ist als eine ordentliche Beleuchtung.

Klingt alles logisch, kein Einwand, also ran an den Schrott. Doch wie öffnet man das verschweißte Plastikgehäuse einer Accu Lux? Mit einer feinen Laubsäge die Scheißnaht im vorderen Bereich geduldig so weit wie möglich aufsägen und mit einem Schraubendreher weiter aufhebeln. Barbarisch wie ein neues Hüftgelenk, aber ein Weg dem Gehäuse ein zweites Leben zu geben.

Jetzt müssten auch die Umweltschützer über die Wertstofftrennung jubilieren, denn die giftigen NiCd Zellen können sortenrein recycelt werden (Bild 3). Nach gründlicher Entgiftung und Reinigung, sowie Abschmirgeln der Oxidschichten an den Steck- und Schaltkontakten weist das Gehäuse nur noch vertretbare Gebrauchsspuren auf und wird weiter genutzt.

Bei manchen Ausführungen ist es möglich, die Streuscheibe zerstörungsfrei vom Rähmchen zu trennen. Nun wird das LED Platinchen gefertigt und zwischen der Streuscheibe und dem Rähmchen schräg eingepasst. Vorderseitig wird es mit drei weißen Hochleistungs SMD LEDs bestückt und rückseitig werden zur Halterung des Platinchens und zur Strom- und Wärmeleitung dicke Kupferdrähte durchgesteckt und vorderseitig verlötet (Bild 4).

In Glühlampen wird der Glühdraht auf 2000 °C und mehr erhitzt. Je heißer, desto besser der Wirkungsgrad. Für Licht emittierende Dioden (LED) gilt umgekehrt: Je kälter der Halbleiterkristall ist, desto höher ist die Lichtausbeute aus dem Treiberstrom. Leider erwärmt der Strom den winzigen Kristall, der schon bei 80 °C Schaden nehmen und bei 85 °C einen unspektakulären Hitzetod erleiden würde. Heizt die Sonne den Innenraum des SL oder SLC stark auf, bleibt wenig Temperaturdifferenz zur Wärmeabführung. Obwohl die Wärmemenge nur minimale 1 W beträgt, wird mit Kupferdrähten und Kühlmäandern konstruktive Vorsorge getroffen (Bild 5).

Ferner muss eine geeignete Begrenzung des Treiberstromes die Dioden vor ihrer Suizidneigung schützen. Der gewählte Widerstand begrenzt die Leuchtstärke der LEDs je nach momentaner Bordnetzspannung auf 25 % bis 40 %. Mehr als doppelt so viel wäre zulässig und machbar.

Da ist also noch Luft nach oben, aber diese winzigen Leistungen von 0,7 W (bei 12 V) bis 1 W (bei 13,5 V) leuchten das Handschuhfach etwa 100 mal heller aus als eine neue Accu Lux und ca. 10 mal heller als eine 5 W Soffitte im 107er ab Bj. 78. Das sollte wohl reichen. (vergl. Bild 6 und 7). Der Begrenzerwiderstand wurde so verbaut, dass seine Wärme nicht zu den LEDs gelangt.

Wie geplant, hat sich an der Bedienung der Leuchte durch den Eingriff nichts geändert. Position des Schalters nach rechts (Richtung Streuscheibe) EIN. Der gefederte Knopf der Handschuhklappe drückt auf den Schalter: AUS. Linke Position des Schalters (Richtung Stecker) AUS, auch bei offener Klappe. Die beiden Gehäusehälften werden durch Schräubchen oder Bandage zusammengehalten.

Das Kabel der Eurokupplung ist am Stecksockel direkt angelötet (Bild 8). Unabhängig vom Zündschlüssel liegt immer Spannung an, somit ist darauf zu achten, dass das Navi oder der MP3 Player nicht wochenlang aus dem Bordnetz saugen können. Andererseits eignet sich die Eurokupplung dadurch auch zum bequemen Anschluss eines Batterie-Joggers zur Ladungserhaltung der Starterbatterie außerhalb der Saison. Die serienmäßige Absicherung im Bordnetz sollte auch nach 35 Betriebsjahren noch 8 A sein, also können max. 100 W durch diese Schnittstelle fließen.

Varianten: Kaum wurde im RT 74 die elegante Lösung bekannt, meldeten sich zwei weitere Accu Lux Leichen zur Wiederbelebung. Bei einer ließ sich die Streuscheibe nicht vom Rahmen lösen. Durch die runde Birnchenöffnung passten nur zwei Dioden, eine strahlt nach unten, die andere nach vorne. Bei Jürgens Lämpchenschrott fehlte bereits die ganze Kappe, was Platz für 3 Dioden bot, dafür aber robust sein musste. Dazu kam eine (2 A, also 25 W) Niederspannungssteckdose. (Bilder 9 u. 10).

Quintessenz: Hier wurde ein verbrauchtes Accessoire so modifiziert, dass mit brutto 1,5 W aus dem Bordnetz eine etwa 10 Mal bessere Ausleuchtung des Handschuhfaches erreicht wird als mit den 5 W Lämpchen der 107er ab Bj. 78. Ferner kann auch Kleingeräten eine genormte Stromquelle im Handschuhfach geboten werden (Bild 10). Bleibt die Klappe offen, kommt soviel Licht in den Innenraum, dass junge Augen sogar Straßenkarten bei Nacht lesen können (Bild 11). Die Lebensdauer der Wiederbelebten ist unbegrenzt. Und nichts steht im Widerspruch zu einem der vielen Glaubenssätze der 4 widerstrebenden Originalitätsfraktionen.

Hat jemand gerade erst an der Teiletheke gelöhnt, sollte er zum 1. Advent die Tür aufmachen und sich freuen: „…ein Lichtlein brennt …“. Dann aber schnell die Accu Lux befreien und mindestens bis über Rosenmontag oder bis zum Saisonstart vor dem Ladestress bewahren. Dann ganz entladen und nur 24 bis 30 Stunden auftanken. Sie bedankt sich mit längerem Leben.

Wer so ein edles Schmuckstück von Roadster oder Coupe aus der Zeit vor Bj. 78 sein Eigen nennen darf, nicht auf das modernere Handschuhfach umgerüstet hat, auch kein Scheibenrahmenlicht den Raum oberhalb der Schienbeine erhellen kann, wer sich mit dem regelmäßigen Nachkauf nicht recht anfreunden kann, wem auch ein nagelneues Ersatzteil zu wenig Licht bringt, wen das Stöbern im dunklen Handschuhfach ärgert, wer sich einiges an Bastelei samt Umgang mit einem Elektronik-Lötkolben zutraut, wer noch eine Schrott MB Accu Lux herumliegen hat, wer ca. 20 Euro für Bauteile ausgeben möchte, wer zumindest ahnt, wie man ein SMD Bauteil, das ab 80 °C Schaden nimmt, mit 280 °C anlötet, der kann gerne mit dem Autor per @-Adresse oder Telefon Kontakt aufnehmen, um sich weiter gehende Infos abzurufen. Und wer dies alles nicht erfüllt, darf sich ebenfalls melden.

Vielleicht hat Ersterer bald den Luxus eines hellen Lichtes im Handschuhkasten, das der Beifahrerin in finsterer Nacht gestattet, den Navi verachtenden Herrenfahrer per klassischer Straßenkarte beim Navigieren zu unterstützen (Bilder 12, 13). Die Steckkupplung versorgt ein MP3 Gerät, das ins Radio Traummelodien zur Einstimmung in eine harmonische Hotelübernachtung einspeist.

Und Letzterer ist vielleicht genau so selig seiner Beifahrerin zugeneigt, da er ein Navi nutzt. Die Traummelodien kann auch eine Musikkassette im Original Becker liefern, deren Rauschen der 6- oder 8-Zylinder gekonnt übertönt.

In beiden Fällen darf später von der Weiterfahrt am nächsten Morgen im Schatten werfenden Sonnenschein geträumt werden – wie auf den letzten beiden Bildern gezeigt.

Ihr / Euer

Helmut Lang