Thema beim Novembertreff 2014

Ab dem 1. November träumt unser Clubfahrzeug bis zum Frühling. Zumindest die Starterbatterie schläft nicht wirklich. Bleibt sie angeschlossen, entladen die Uhr, das Radio, die EDW und die Selbstentladung. Abgeklemmt bleibt die Selbstentladung, die bei einer älteren auch über 1% pro Tag betragen kann. Manche Akkus sind nach 3, andere erst nach 7 Monaten entladen. Bei Akkus mit Zellen-Stöpseln ist jährlich der Säurestand zu prüfen und ggf. mit destilliertem Wasser bis zur Marke aufzufüllen.

Vieles kann die Haltbarkeit des Akkus mindern. Vermeidbare Fehler sind Tiefentladung, Schnellladung und Überladung. War ein Akku tief entladen, hat er unwiederbringlich Speicherfähigkeit eingebüßt. Beispiel: Entlädt man einen teuren 74Ah Akku tief, kann er danach vielleicht weniger als ein 60Ah speichern. Passiert das wiederholt oder lang andauernd, schleppt man teuer gekaufte 17kg mit sich herum, hat aber nur die Speicherfähigkeit eines 52Ah, der deutlich billiger und leichter gewesen wäre. Ein geschwächter Akku überlegt sich früher, ob er die vom Anlasser geforderten 560A (EN) mehrere Sekunden lang liefern möchte. Daher sollte man zur Vorbeugung die Spannung nie unter 12,4V oder 12,3V abfallen lassen.

Da auch Schnellladung das Akkuleben verkürzt, sollte man zu starke Ladegerät meiden. Als Faustregel gilt, dem normal entladenen Akku 12 Stunden – besser 24 Stunden – Ladezeit zu gönnen. Beispiel: 60Ah : 24h = 2,5A. Das heißt, Ladegeräte, die einen Ladestrom von 3A bis 4A nennen, sind optimal für unsere Akkugrößen. Schwächere brauchen halt länger. Gegen die Überladung hilft ein Voltmeter, um bei 14,4V den Zeitpunkt zum Abschalten zu ermitteln.

Bequemer geht es mit einem Mikroprozessor-gesteuerten Ladegerät, das meist als Jogger angeboten wird. Aber zum hoch gelobten Modus Joggen fällt mir nichts Positives ein. Denn erstens erhöht sich in 7 Winterpausen (bei manchen schon in 5) die Stromrechnung etwa um den Kaufpreis einer Premium Starterbatterie. Zweitens tragen die Entladezyklen (Joggen) auch zur Alterung bei, was bei typischer Club-Nutzung weniger wichtig ist. Drittens kann beim Abklemmen des Joggers die Batterie gerade ziemlich entladen sein. Der Nutzen des Joggens ist zur Glaubensfrage mutiert. Wenn jemand glaubt, die inzwischen übliche Haltbarkeit eines gepflegten Akkus im 107er von 6 bis 8 Jahren durch ganzjähriges Joggen merklich steigern zu können, dem sind vielleicht zusätzliche Stromkosten in Höhe des doppelten Batteriepreises nicht zu viel. Rekordversuch, koste es was es wolle auf der Stromrechnung?

Auch das Werbeversprechen „Regenerierung“, also das Aufbrechen der „Versiegelung“ infolge lang andauernder Tiefentladung, nutzt dem Gerätehersteller mehr als dem Besitzer des schadhaften Akkus. Gelingt das Aufputschen, wird der verkommene EN Wert wahrscheinlich bald für den Neukauf sorgen.

Gute Ladegeräte bieten zum „Vollautomatisch Mikroprozessor-gesteuerten Ladevorgang“ auch die „Dauer- und Erhaltungs-Lade-Funktion“. Der Mikroprozessor überwacht die Spannung und startet die Aufladung bei Abfall auf 12,5V. Bei Erreichen der 14,4V schaltet er um auf einen kleinen Ladestrom zur Kompensation der Selbstentladung. Oder er stoppt (im Modus  Spannungswächter) das Laden und wartet hoffentlich Monate, bis die 12,5V durch Uhr und Selbstentladung erreicht sind, dann folgt der nächste Ladezyklus. Die Modi Erhaltungsladung und Spannungswächter sind im Gegensatz zum Joggen meist noch wirtschaftlich.

Ich habe vor Jahren für ca. 20 € ein Ladegerät erworben, das den Modus „Vollautomatischer Mikroprozessor-gesteuerter Ladevorgang“ mit „Dauer- und Erhaltungs-Lade-Funktion“ anbietet. Das schließe ich beim Einschläfern Ende Oktober, zur Halbzeit Mitte Januar und beim Aufwecken Ende März für jeweils ca. zwei Tage an. Nach dem Anschließen lädt es pulsierend mit 3,8A. Sind 14,4 V erreicht, folgt Ladungserhaltung mit 0,1A.  Nach dem 2. Tag ist der Akku ohne Überladung sicher auf 100% und ich klemme das Ladegerät ab. Aus Neugierde kontrolliere ich während der beiden Tage mehrmals mit dem Voltmeter den Ladeverlauf. Bei 100% Ladung misst man bei einem gesunden Akku 30 Minuten nach dem Abklemmen 12,8V bis 13,2V je nach Temperatur und Dotierung. Nun gebe ich dem Akku 2,5 Monate Zeit, in denen das Radio, die Uhr, die EDW und die Selbstentladung etwa zur Hälfte entladen. Bei 25% bis 50% Restladung misst man 12,4V bis 12,5V. Dann lade ich wieder 2 Tage s.o.

Mit diesen drei kurzen Einsätzen des Mikroprozessor-gesteuerten Ladegerätes halte ich die Starterbatterie 7 und mehr Jahre frisch mit Stromkosten von ca. 1 Euro pro Akku und Winterpause. Einmal pro Quartal laden empfiehlt sich auch für Stehzeuge, die nur sehr selten bewegt werden. Bei gesunden Akkus und gesunden Motoren reichen zwar 20% Restladung zum sicheren Starten. Dennoch sollte der Akku vor dem Start sanft vollgeladen worden sein. Das ist schonender als die Schnellladung durch den Drehstromgenerator auf den nächsten 300 bis 400km.   

Wer einen Akku wünscht, dem Tiefentladung und Schnellladung weniger schaden, der wechselt zur AGM-Technik (Absorbent Glass Mat). Für die aktuelle Autogeneration entwickelt, vertragen die AGM Akkus den Start-Stopp-Betrieb und die Stoßladung bei Schub und Bremsen (Rekuperation). Also beim nächsten Kauf einen absolut auslaufsicheren, wartungsfreien AGM Akku? Die Baugröße 60Ah mit EN 680A hat deutliche Reserven auch für alle Achtzylinder, da sein Kaltstartstrom (EN) 1,35 Mal höher ist als bei den bisher guten Akkus gleicher Kapazität. Die dreifache Zyklenfestigkeit verspricht ein langes Akkuleben, das den höheren Preis und eine ernste Überlegung wert ist, meint

Helmut Lang,

Leiter des RT 69 Kurpfalz.