Liebe Freunde,

bei unserem Januartreff am Freitag habe ich etwas zur Betriebsruhe unserer Fahrzeugbatterien im 107er im Winter zu sagen vergessen.

Ein kleiner Service: Denkt an Euere Starterbatterien im 107er. Saisonbedingt stehen unsere Autos jetzt ca. 12 Wochen und nach dieser Zeit haben die Selbstentladung und die Dauerlutscher, wie z. B. Uhr, EDW (Einbruch- und Diebstahlwarnung) Marderschutz oder ein speicherndes Radio, den Ladezustand sehr herabgesetzt. Auch bei abgeklemmter Batterie wirkt noch die Selbstentladung. Man sollte bei Saisonende auch nicht von einer wirklich vollen Batterie ausgehen, wenn nicht gerade vor dem Einwintern eine Fernfahrt von 300 km ohne Licht und ohne Ventilator absolviert worden ist. Was man so unter „voller Batterie“ versteht, ist üblicherweise ein Ladezustand zwischen 40 % und 60 %.

Die Leerlaufspannung (Batteriespannung nach mindestens einer Viertelstunde absolut ohne Belastung) sollte man nie unter 12,4 V absinken lassen, damit kein zusätzlicher Kapazitätsverlust eintritt. Mit dem Lebensalter, aber erst recht mit jeder Tiefentladung geht Speicherkapazität unwiederbringlich verloren. Anders ausgedrückt: Man schleppt Blei einer schweren 72 Ah Batterie mit sich herum, aber durch Alterung und Tiefentladung sind der voll geladene Batterie dann nur noch 50 Ah oder 40 Ah entnehmbar. Ist sie dann auch nur zu 50 % geladen, gibt sie nur noch 25 oder 20 Ah her. So eine teilgeladene, geschwächte Batterie überlegt sich, ob sie die vom Anlasser etc. geforderten 300 bis 500 A (im Sechszylinder etwas weniger) einige Sekunden lang liefern möchte.

Das zeigt eindeutig: Den Ladezustand nie soweit absinken lassen, dass die Leerlaufspannung unter 12,4 V fällt. Es gilt: Je tiefer die Entladung und je länger dieser Zustand andauert, desto größer der bleibende Kapazitätsverlust! Also, jetzt sollte man der Batterie sicherheitshalber wieder etwas Strom gönnen.

Wer ein intelligentes Lade-/ Entladegerätchen (Batteriejogger) ständig angeschlossen hat, sollte gelegentlich hinschauen, ob und wie es noch arbeitet. Die Klemmenspannung sollte hier nicht 12,5 V unterschreiten, auch wenn es gerade den Tiefpunkt der Entladung erreicht hat.

Alle anderen sollten an eine Nachladung denken. Gute Faustformel für nicht geregelte Ladegeräte: Kapazität durch Ladestrom = Ladezeit. Also 72 Ah : 3A = 24 h. Noch mal: Eine 72 Ah Batterie wird von einem Ladegerät, das 3 Ampere kann in ca. 24 Stunden aufgeladen sein. Diese Faustformel gilt, wenn die Batterie noch etwa zu einem Viertel oder Drittel Restladung hat, da im Verlauf der Nachladung der Ladestrom wegen der ansteigenden Batteriespannung geringer wird (als die auf dem Ladegerät z.B. aufgedruckten 3 A). Logischerweise braucht ein schwächeres Ladegerät entsprechend mehr Zeit. Liefert das Ladegerät 4 A, beträgt die Ladezeit rund 18 Stunden, bei 5 A sind es 14 Stunden und bei 6 A knapp 12 Stunden.

Bei elektronisch geregelten Ladegeräten sollte man in der Bedienungsanweisung entnehmen, ob sie bei Erreichen der Ladeschlussspannung 14,5 V automatisch abschalten. Wenn nicht, sollte man die errechnete Ladedauer nach obiger Formel um ein Drittel kürzer wählen.

Nicht notwendig, aber genauer geht es mit einem Voltmeter: Die Aufladung sollte beendet werden, wenn die Klemmenspannung bei kleinem Strom 14,5 V erreicht hat. Klemmt man ab, zeigt das Voltmeter bei voller Batterie nach einer Viertel Stunde je nach Batterietyp und Temperatur 13,0 bis 13,4 V (bei Kälte etwas weniger). Beendet man die Batterieladung nicht beim Erreichen dieser Ladeschlussspannung von 14,5 V, so steigt die Wasseraufspaltung in Wasserstoff und Sauerstoff stark an. Eine längere Knallgasproduktion (Überladung) muss durch Wiederauffüllen mit destilliertem Wasser ausgeglichen werden. Bei Gel-Batterien kann die Überladung schädigen, da sie keine Nachfüllmöglichkeit für destilliertes Wasser haben.

Das sollte bis zum Saisonstart reichen. Will man dem Akku dann etwas Gutes tun, lädt man ihn vor der Frühlingserweckung des Motors die gleiche Zeit wie oben errechnet. Dann sollte er sich seiner 100 % Grenze angenähert haben. Die Lichtmaschine erreicht im üblichen Betrieb mit Ventilator und Fahrlicht ohne ununterbrochene Fernfahrt bestenfalls 60 % Aufladung der altersbedingten Restkapazität.

Wie Clubmitglieder berichten, geht es auch anders: „Im Oktober abgestellt, Batterie abgeklemmt und sonst nichts an der Batterie getan und am 1. April mit dem 1. kurzen Start einwandfreier Leerlauf.“ – Gratulation, tolle Batterie, jugendlich gesunder Motor, Glück gehabt, die Restkapazität reichte noch um 3 Sekunden ca. 400 A zu liefern und die lastbedingten 9 V reichten für die Zündfunken. Wenn aber nicht mehr alle Ventile und Düsen der 30 Jahre alten Einspritzanlage ganz dicht schließen und die 400 A etwas länger gebraucht werden, kann es mau ausgehen.

Herzliche Grüße

Helmut