Technikkurs am 01. Juli 2006 in Neustadt/Wied

Nachdem mein Benz im vorigen Jahr mit Mike Sanders Fett bei Alois gesalbt wurde, war es für mich keine Frage, mir in diesem Jahr die Stoßstangen vorzunehmen.

Es war mal wieder, wie immer, ein sonniger Samstag, an dem das Spektakel der Restaurierung in Neustadt stattfand

Es gehörte schon eine sorgfältige Planung und Vorbereitung dazu, um eine solch aufwendige Restaurierung in allen Einzelheiten darzustellen und allen Beteiligten die Möglichkeit zu bieten, sich aktiv daran zu beteiligen.
Aber wer Alois kennt, der weiß, dass es für ihn keine Probleme, sondern nur Lösungen gibt.
Außerdem hatte er an diesem Tag eine kompetente Unterstützung durch seinen Sohn Dirk.
Obwohl es für Dirk das erste Mal war, eine solche Gruppe zu betreuen, hat er seine Sache sehr gut bewerkstelligt.
Das Ganze wurde natürlich durch die gute Bewirtung von Beatrix noch abgerundet

Am Anfang stand, wie immer, eine kurze Erklärung von Alois auf dem Plan.
In seiner langjährigen Schaffenszeit hat er sich rund 100 Stoßstangen angesehen, von denen ca. 95% an- oder sogar durchgerostet waren.
Eindeutige Schwachstellen sind hier die Gummileisten an den Stoßstangen.
In den Führungsnuten der Gummileisten sammelt sich hier Wasser.
Wie wichtig es ist, frühzeitig eine zwar zeitaufwendige aber sinnvolle Restaurierung durchzuführen, zeigen die nebenstehenden Bilder meines SL Bj. 86 mit einer Laufleistung von 45.000 km

        

Wer zu spät kommt, den bestrafen die chemischen Gesetze

Restbestand einer Hinterstossstange eines SL`s Bj.87

Es ist ja nicht nur das Regenwasser, das durch die nie 100% anliegende Gummileiste eindringt. Ich denke hier auch an die Waschbärfraktion in unserem Club, die mehr putzen als fahren.
Auch hierbei dringt natürlich Wasser ein. Auch Kondenswasser, das sich mit der Zeit bildet ist eine Gefahr.
Hinzu kommt, dass werksseitig keinerlei Schutz gegen Rostbefall vorgesehen war. Auch ein Austausch der rostbefallenen Teile stellt nur kurzfristig eine Lösung dar, da die Neuteile nur mit einer hauchdünnen Grundierung versehen sind, die sich mit dem bloßem Fingernagel wegkratzen lässt.
Ziel des Kurses war, dass jeder Teilnehmer in der Lage war, eine komplette Sanierung selbständig durchzuführen.
Zu diesem Zweck standen schon einige Fahrzeuge nackt (ohne Stoßstangen) bei Alois auf dem Hof. So konnte jede einzelne Restaurierungsphase von allen Teilnehmern begutachtet werden


Nun konnte es so langsam losgehen.
Als erstes wurde eine Vorderstoßstange von einem Fahrzeug demontiert.
Bevor man loslegte, sollte die Symmetrie an der Stoßstange überprüft werden, ob die Stoßstange gerade sitzt.
Nächster Schritt war das Markieren mittels Körnerschlag an den vorderen Befestigungslaschen (die mit den Langlöchern)


Durch diese Langlöcher kann die Stoßstange vertikal als auch horizontal justiert werden. Als nächstes wurden die Nebelscheinwerfer demontiert. Danach links und rechts die Schrauben an den Kotflügelseiten lösen. Jetzt die zuvor vorne markierten Schrauben lösen. Nun konnte die Stoßstange mit zwei Mann nach vorne weggehoben werden.

Hintere Stoßstange gleiches Prozedre. Ursprüngliche Montage überprüfen, 2 Schrauben an den Kotflügelseiten lösen. 2 Schrauben in der Mitte lösen und das Teil mit zwei Mann nach vorne abziehen.
Jetzt konnte die Zerlegung der Einzelteile beginnen.
Bevor die vordere Stoßstange zerlegt wurde, war es für die spätere Montage wichtig, hier wieder den Sitz der beiden Haltebügel zu markieren (Achtung rechts und links ebenfalls markieren)
Als nächstes konnte man die Gummileiste abschrauben. Hier können natürlich schon die ersten Probleme auftauchen. Die Schrauben reißen ab!! Hier hilft nur noch eine Operation. Dort wo die Schraube abgerissen ist, muss die Leiste aufgeschnitten werden und der Schraubenkopf entfernt werden. Neue Schraube einkleben und hoffen, dass das Ganze hält.

Nun die Abdeckung des Mittelteils abschrauben und anschließend die Chromschalen vom Unterteil befreien.
Das Gleiche galt natürlich auch für die Heckstoßstange, wobei hier natürlich noch die Heckschürze demontiert werden musste.
Erst jetzt ließ sich der weitere Arbeitsaufwand feststellen.
Es sind meistens nicht nur die Stahlträger mit Rost befallen, sondern auch die Chromschalen an der Innenseite

Bevor die Teile grundiert werden können, müssen alle vom Rost befallenen Stellen metallisch blank sein!!!!
Das bedeutet viel Arbeit mit dem Winkelschleifer und der Zopfbürste. (Eventuell auch Sandstrahlen). Bei den Stahlteilen kann man sich so richtig austoben. Bei den Chromschalen sollte man etwas vorsichtiger rangehen. Natürlich bei diesen Arbeiten Schutzbrille und Atemschutz nicht vergessen
Da alle werkseitig vorgesehenen Blechschrauben zur Befestigung der Chromschalen und der Heckschürze am Grundträger durch Maschinenschrauben aus V2A ersetzt wurden, mussten
natürlich vor der Grundierung und Lackierung die vorhandenen Bohrungen auf 5,5 mm aufgebohrt werden
Natürlich vor Beginn der Arbeit, das was nicht lackiert werden soll, mit Malerkrepp abkleben.
Besondere Vorsicht ist bei der Führungsnut an der Oberseite der Chromschale geboten.
Diese muss angeraut werden, damit die Grundierung und der Lack auch auf Dauer halten.
Ich habe hierzu einen mit Schmirgelleinen umwickelten dünnen Holzstab benutzt.
Irgendwann im Laufe des Tages wurde auf dem gesamten Hof und der Werkstatt geschraubt, geschliffen, und lackiert.
Dieser basarähnliche Zustand wurde durch die Verkaufsaktivitäten von fertig abgepackten V2A Schraubensätzen noch verstärkt

Nachdem diese unschöne Arbeit beendet war, konnten die Teile grundiert werden. In diesem
Fall mit einer hochgiftigen Zinkphosphathaltiger zwei Komponenten Nutzfahrzeuggrundierung. (ätzt die Metalloberfläche zur besseren Haftung an) Wir konnten uns natürlich erst einmal durch eine Schnüffelprobe von der Wirkung überzeugen (die Medizin muss bitter schmecken…) (Bild-14).
Meines Erachtens gehört dieses Zeug nur in die Hände eines Fachmannes, z.B. Dirk Hoppen.
Alois versicherte uns, dass er kein einziges Stahlteil kennt, das er nicht so vorbehandelt hat und irgendwelche Anzeichen von Rost zeigt.
Die anschließende Lackierung sollte nur mit einem zwei Komponenten-Lack erfolgen, also mit Härter, falls die Montage unmittelbar danach erfolgt. Hat man dagegen genügend Zeit zur Verfügung, kann man auch einen einfachen Kunstharzlack verwenden, Hauptsache die Grundierung wird geschützt (Bild-15).
Moderne Lacke auf Wasserbasis, sowie Sprühlacke aus der Dose, bieten auf Dauer keinen ausreichenden Schutz, da sie auch keine Rostschutzpartikel enthalten.
Natürlich wurde jedem Teilnehmer die Möglichkeit gegeben, einmal selbst eine Lackierpistole in die Hand zu nehmen und sein Glück, unter der Anleitung von Dirk, zu versuchen


Die Montage
Vor der Montage hat es sich für mich als sehr hilfreich erwiesen, die einzelnen V2A Schrauben den zugeordneten Baugruppen zu sortieren.
Ich habe hierzu Gefrierbeutel genommen und diese mit einem wasserunlöslichen Stift beschriftet. Das Sortieren der Schrauben nimmt ohnehin viel Zeit in Anspruch.

Die Montage erfolgte logischerweise in umgekehrter Reihenfolge. Ich hatte zuerst bei mir zu Hause die Heckstoßstange montiert.

Zuerst die Heckschürze vormontieren. Das heißt, die 4 Schrauben links und rechts nur leicht anziehen – so lässt sie sich später am Grundträger besser montieren.

Alle blechüberlappenden Teile habe ich natürlich zusätzlich noch mit MSF (Mike Sanders Fett) mit dem Finger eingeschmiert (Bild-18).

Nachdem der Grundträger montiert und die Chromschalen angebracht waren, wurde die Stoßstange (auf eine kratzfeste Filzunterlage) auf die Chromseite gelegt. Nun konnte die vormontierte Heckschürze aufgesetzt und verschraubt werden.

Ganz wichtig!!!! Vor Montage der Gummileiste die obere und untere Nut der Führung dick mit MSF einschmieren. Dieses ist außerdem noch hilfreich bei der Montage. Hier gibt es im Übrigen noch einen kleinen Trick. Die Gummileiste an einer Seite festschrauben und nach außen wegknicken

Dadurch öffnet sich das Profil und die Leiste lässt sich mit leichtem Druck aufsetzen.

Dieses Bild zeigt die komplette und restaurierte Stoßstange. Die gelbliche Flüssigkeit in dem hohen Glas diente zur Schmierung der Leber!!

Montage Vorderstosssstange

Die beiden Grundträger auf eine Unterlage legen. Beide Teile mit jeweils drei Schlossschrauben befestigen. Die vierte Schraube wird mit den Chromschalen montiert. Jetzt die Chromschalen auflegen und mit den M6 Maschinenschrauben leicht andrehen. Sitzen alle Teile perfekt zusammen, alle Schrauben anziehen. Drei Schlossschrauben links, Mitte, rechts nicht vergessen

Jetzt noch die Gummileisten anbringen. Auch hier natürlich wieder die Nuten mit MSF einschmieren. Als nächstes das Mittelteil (kleine Blechleiste) anbringen. Ach hier wurde wieder eine Änderung vorgenommen. Anstelle der hier normalerweise verwendeten Kunststoffclipse wurden hier auch Schlossschrauben eingesetzt. Das sitzt bombenfest und es kann im Gegensatz zur werksseitigen Lösung nichts mehr abbrechen

Die Schrauben wurden wieder nur leicht angezogen, so dass sich die kleine Gummileiste gerade noch von der Seite aufschieben ließ. Danach die Nummernschildbefestigung angeschraubt. Die Befestigungslaschen für die Montage am Fahrzeug so anbringen, dass sie sich noch leicht verschieben lassen. Auf rechte und linke Seite achten (nicht verwechseln).

Die Montage am Fahrzeug ist für Ungeübte zwar schwierig, aber mit ein oder besser zwei Hilfskräften durchaus zu bewältigen

Stoßstange von vorne aufsetzen alle Schrauben eindrehen und leicht anziehen. Nun konnte mit der seitlichen Justierung begonnen werden. Als Hilfe dienten die bei der Demontage gekennzeichneten Laschen. Anschließend wurde die Stoßstange in der Höhe justiert und alle Schrauben fest angezogen sowie die Stoßstange auf richtigen Sitz geprüft.

Bis das das gute Stück perfekt saß (im Gegensatz zur werksseitigen Montage), war viel Zeit vergangen. Die Schrauben wurden öfter wieder gelöst und alles noch einmal nachjustiert.

Aber nur Mut, der Mensch wächst mit der Aufgabe.

 

Der Lohn der ganzen Mühe sind mit Sicherheit zwei perfekt restaurierte und konservierte Stoßstangen. Es wird in den nächsten 20-30 Jahren kein knirschendes Geräusch beim Bewegen der Stoßstangengummis geben.

B.Ludwig (84) RT53