Klassiker des RT41 zur Baiersbronn Classic

Vom 22.-25.09.2016 fand zum 4. Mal die Baiersbronn Classic, eine Schwarzwaldrallye für Genießer statt. Diesmal war es eine besondere Veranstaltung, da vor 70 Jahren – genau am 21.07.1946 – hier das erste Motorsport-Ereignis nach dem zweiten Weltkrieg – das legendäre Ruhestein-Bergrennen – ausgetragen wurde.

Grund genug für unseren Clubkameraden Hans-Joachim Jungbluth, clubintern kurz Hajo genannt, eine Ausfahrt für den RT41 in den Schwarzwald zu organisieren. Einige Vorhinweise über Anfahrt, Tankmöglichkeiten etc. gab es in Form einer Info-Mappe. Schnell waren die begehrten Plätze vergeben und Hajo konnte die Zimmer für unser Hotel Blume in Baiersbronn-Obertal reservieren. Zehn Teams starteten bei bestem Herbstwetter Richtung Süden in die schöne Schwarzwaldregion. Einige von uns verließen bei Rastatt die BAB 8 und gönnten sich bereits auf der Anfahrt eine schöne Route um auf der gut ausgebauten Schwarzwaldhochstraße und am Mummelsee vorbei zum Hotel zu gelangen. Nach dem gemeinsamen Abendessen in der „Guten Stube“ des Hotels und einem Briefing für die nächsten Tage ließen wir den Abend in gemütlicher Runde ausklingen.

Stuttgart und damit verbunden die Wiege des Automobils war unser erstes Ziel. Nur etwa 100 Km von unserem Hotel entfernt hatte Hajo einen Besuch mit Führung im Mercedes-Benz Museum organisiert. Unter fachkundiger Führung konnten wir im Mythosrundgang auf 7 Ebenen die Geschichte der Marke Mercedes-Benz erleben. Jeder Einzelne von uns bekam mit den Worten: „Herzlich Willkommen im Mercedes-Benz Museum, ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt“ sein Empfangsgerät mit Kopfhörer umgehängt. Durch die individuelle Einstellung der Lautstärke konnte jeder den Museumsführer optimal verstehen. Die Bedeutung des Mercedes Sternes wurde uns erklärt und wie sich die Entwicklung der Marke, angefangen von der Pionierzeit über die Silberpfeile bis zum aktuellen Formel 1 Renner zugetragen hatte. Eindrucksvolle Ausstellungsstücke bekamen wir zusehen neben vielen erklärenden Fotos.

Die 2 Stunden durch den Mythos-Rundgang vergingen wie im Flug. Anschließend konnten sich unsere Füße an reservierten Plätzen neben der Cafe-Bar erholen. Die Geschmacksnerven wurden mit einer Museumstorte oder anderen Köstlichkeiten angeregt. Der Museumsshop bot dann noch Gelegenheit Geschenke für die Lieben Daheim oder für den eigenen Bedarf einzukaufen. Noch ein Abschiedsfoto auf dem Museumshügel auf dem wir unsere 107er präsentieren durften und dann wollten wir zurück zum Hotel in Baiersbronn-Obertal. Das Verkehrsgewühl in Stuttgart, verstärkt durch den Beginn der Cannstatter Wasen erforderte viel Geduld. Wir haben aber alle Teams zusammenhalten können und waren rechtzeitig zum Abendessen zurück.

Am folgenden Tag galt es den Profis bei der Baiersbronn-Classic auf die Finger zu schauen und die schönen Oldtimer zu bewundern. Von unserem Hotel war der Start zu Fuß in wenigen Minuten erreicht. 125 Klassiker und über 60 historische Motorräder wurden in Obertal am Originalschauplatz von 1946 in zeitgemäßer Kulisse und mit ausführlicher Fahrzeugpräsentation in Minutenabstand gestartet. Auch einige Bekannte Prominente haben teilgenommen. Peter Kraus z.B. saß mit seiner Beifahrerin in einem 2,7 Liter Jaguar SS 100 Roadster von 1936. Der Ex-Rennfahrer Dieter Quester fuhr einen der seinerzeit sehr erfolgreichen BMW 328 Roadster, Baujahr 1938. Gerne wäre der eine oder andere von uns da mitgefahren. Kurzum es war für Beteiligte und Zuschauer ein einmaliges Erlebnis bei strahlendem Sonnenschein. Überhaupt hatten wir während der ganzen Tour nur Sonnenschein pur und konnten die Cabrio-Dächer tagsüber unter der Abdeckung verschwinden lassen – bis auf den einen SLC natürlich.

Nach dem Start der Classic hatten wir das Bedürfnis uns selbst wieder hinters Steuer zusetzen. Der Tourplan von Hajo lotste uns zunächst an eine AVIA-Tankstelle in der Nähe von Kniebis wo Tankwart und Bedienung in historischen Kostümen der 50er Jahre Fahrzeuge betankten und den Service erledigten.

Anschließend sollte uns der nächste Punkt etwas Bewegung verschaffen. Der Lotharpfad ist ein Sturmwurf-Erlebnispfad an der Schwarzwaldhochstraße. Seinen Namen hat der Pfad von dem im Dezember 1999 wütenden Sturm „Lothar“ der in diesem Gebiet große Kahlflächen hinterließ, die teilweise noch heute zu sehen sind. Das staatliche Forstamt hat in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum Ruhestein den Pfad im Sommer 2003 angelegt. Auf ca. 1Km geht es auf und ab über Holzstege, Treppen, Planken und Leitern. Die Natur und die Auswirkungen des Sturmes wurden uns anschaulich nähergebracht. Von einer Aussichtsplattform hat man eine weite Sicht bis zum Kaiserstuhl und dem Feldberg.

Als letztes Ziel für diesen Tag führte uns Hajo’s Tourenplan zum Berggasthaus Kernhof in Seebach mit Willi’s Schnapsbrennerei. Bevor uns der Brennmeister in die Geheimnisse des Brennens einweihte, haben wir uns in der Gaststube bei Kaffee, Kuchen, Eis oder auch herzhaften Gerichten gestärkt. Schwarzwälder Kirschtorte – was auch sonst – stand bei den Meisten auf der Wunschliste. Die Schnapsbrennerei war in einem Nebengebäude untergebracht. Sie hatte nur einen Zugang. Selbst die Fenster durften sich nicht öffnen lassen. Dadurch ist der Zoll jederzeit in der Lage die Räumlichkeiten zu kontrollieren, ohne dass über einen zweiten Ausgang Ware weggeschafft werden kann. Weitere strenge Auflagen über Brennrechte und über das brennen selbst hat uns Willi ausführlich erläutert. Und… ja, wir haben auch viele der angebotenen Schnäpse kosten dürfen. Nippen, statt kippen war die Devise. Manch lockerer Trinkspruch machte die Runde – die Besten vom Brennmeister selbst. Eingedeckt mit allerlei „Hochprozentigem“ führte die Rückfahrt zum Hotel Blume über sehr schöne, teils kleinste Nebenstraßen und vielen Kurven auf und ab durch den Schwarzwald. Die bewundernden Blicke und Grüße der Passanten in den Ortschaften über unseren Tross haben wir gerne entgegengenommen und zurückgewunken.

Beim Abendessen – übrigens immer als 4-Gänge Menü mit Wahlmöglichkeiten – wurden noch einmal die Erlebnisse der Tage in Baiersbronn-Obertal ausgetauscht. Nach dem Frühstück am Sonntag mussten wir leider die Heimreise antreten. Ein Dank gilt der sehr freundlichen Familie Huß, die uns – zusammen mit der Bedienung – die Tage im Hotel Blume angenehm verschönt haben. Wir kommen gerne wieder mal hierher. Danke auch an unseren Tourplaner Hajo, der es erneut verstanden hat, interessante Anfahrpunkte mit schönen Strecken zu verbinden.

Reinhard Bruch