Am Abend des 05.06.2015 war es endlich soweit, wir machten uns auf die Reise in den 760km entfernten Kanton Graubünden nach Bergün, wo unsere Clubfreunde des RT40 aus Düsseldorf vor uns einige Tage verbrachten, bevor sie zum Jahrestreffen 2015 an den Bodensee aufbrachen. Einen Tag vor den anderen Teilnehmer waren wir angereist. An einem herrlichen Tag mit blauem Himmel und Sonnenschein, der nicht nur uns nach draußen lockte, sondern auch einige Kinder an diesem Nachmittag dazu veranlasste ausgelassen in einem nahen Dorfbrunnen zu plantschen.

Die Wettervorhersage für die Woche war wechselhaft mit Sonne und an den Abenden mit örtlichem Gewitter vorhergesagt. Was sollte da jetzt noch schiefgehen, ein vorhergesagtes Gewitter am Abend änderte diese Meinung zunächst Jäh. Nachdem im Albulatal heftige Gewitter niedergegangen waren, wurde bei Filisur im Gebiet Bellaluna und bei Bergün beim Kieswerk Oldis die Straße durch zwei Erdrutsche verschüttet, teilweise unterspült und weggeschwemmt. Das Hauptstromkabel zerriss. Die Folge daraus war ein mehr stündiger Stromausfall am Abend. Die Information das der Albulapass gesperrt und niemand eine genaue Information hatte, ließ meine innere Ruhe schwinden. Was nun?! Überrascht von der Gelassenheit der Einwohner und nach Informationen suchend wurde nach einer schnellen Lösung gesucht. Das hatte ich in den vergangen 20 Jahren mit jährlich 2 Besuchen in Bergün auch noch nicht erlebt. Jetzt hieß es die Teilnehmer telefonisch zu informieren, dass sie einen kleinen Umweg über St.Moritz fahren müssten, ohne sie jedoch zu beunruhigen .Dies klappte nicht immer auf Anhieb, da einige schon an anderen Urlaubsorten verweilten, um am folgende Tag von dort aus anzureisen und um ehrlich zu sein, nun wirklich klein war der Umweg dann doch nicht. Mit etwas Verspätung erreichten jedoch alle Teilnehmer letztlich ihr Ziel.

Nachdem im Hotel „Weisses Kreuz“ gleich alle ihre Zimmer bezogen, nachdem man sich erfrischt und die Koffer ausgepackt hatte , traf man sich im Biergarten bei einem kühlen Panasch (Radler). Gegen 19:30 Uhr trafen wir uns in der reservierten Arvenstube. Nach einer kurzen Begrüßung folgte die Ausgabe der Tour Schilder, alle hatten jetzt auch reichlich Hunger und wir konnten in Folge ein vorzügliches Abendessen genießen. Gesättigt und von der Anreise mehr oder weniger geschafft, ließen wir den Tag Revue passieren, wobei wir auch den Ablauf des folgenden Tages besprachen. Dies behielten wir auch an den folgenden Abenden so bei. Das Ehepaar Kuffer ließ es sich nicht nehmen eine Runde hochprozentigen servieren zu lassen um sich der Gruppe vorzustellen, was letztlich mit dazu beitrug, dass der Abend fröhlich ausklang.

Die Straße wurde am Sonntag, 07.06.2015 / 19.00 Uhr zum befahren freigegeben. Dies war auf eine ansässige Baufirma zurückzuführen, die mit schwerem Gerät angerückt war und dies mit viel Einsatz ermöglichte. Da viel auch mir für meine geplante Tour ein Stein vom Herzen.

Den Montag begannen wir, wie auch die darauf folgenden Tage mit einem gemeinsamen Frühstück. Pünktlich um 9:30 Uhr mit acht von neun Wagen, da Marie Anne und Beate jede mit ihrem eigenen 107er angereist, entschlossen sie im Wechsel eine Fahrgemeinschaft zu bilden. Mit Marie Anne am Steuer ging es los hinauf in Richtung Engadin über den Albulapass. Diese sich als eher schmal erweisende Straße führt durch das schöne Albulatal, dass nicht nur durch seine Landschaft, sondern auch durch die vielfältigen, dort zu erblickenden Kunstbauten der Rhätischen Bahn besticht. Weiter fuhren wir vorbei an St. Moritz, an den malerischen Seen ins Oberengadin weiter mit Stopp an der Westseite des Malojapasses, nun hinab ins Bergell mit kleinem Abstecher durch die engen Gassen einiger Dörfer. In Spino fuhren wir der Straße folgend durch den Kastanienwald hinauf nach Soglio. Graubündens „ Herrgottswinkel“. In dem malerischen Bergdorf machten wir unsere Mittagspause im ursprünglichen Pfarrhaus Stüa Granda, dass über die letzten Jahrzehnte in ein komfortables Hotel mit Terrasse und freiem Blick nach Süden umgebaut wurde. Auf der reservierten Terrasse konnten wir im Schatten eines der vielen Kastanien Produkte, die Maronitorte, eine der kulinarische Spezialitäten genießen.

Gestärkt machten wir uns auf um das auf 1097m Höhe gelegene Bergeller Bergdorf zu besichtigen. Eine Besonderheit dieses Dorfes ist es, das ausschließlich die Einheimischen dort mit ihren Autos hineinfahren dürfen. Für Besucher hat man eigens zwei Parkplätze außerhalb angelegt. Somit ist es keine Frage, dass dieser Ort ideal für Ruhesuchende und Naturliebhaber ist. Von dort aus ging es nun weiter über die italienische Grenze, über den Splügenpass. Mit einer Steigung von 13% führt diese Straße auf eine Höhe von 2113m über dem Meeresspiegel. Der Splügenpass war bereits den Römern bekannt und wurde auch von diesen genutzt.

Heute stellt diese Passstraße, aufgrund ihrer enormen Kurven nicht nur eine Herausforderung für Autofahrer dar, sondern bietet auch jede Menge Fahrspaß. Auf 2100m Höhe im Scheitelbereich der Passstraße machten wir eine Verschnaufpause was einige Damen nutzten um die hiesige Fauna zu bestaunen und andere wiederum öffneten ihre Motorhauben was sogleich von einigen Herren zu technischen Diskussionen genutzt wurde. Hauben zu und weiter den Splügenpass hinab in Richtung Andeer. Wieder auf Schweizerboden fuhren wir nun zum nächste Ziel die Rofflaschlucht , wo wir auch schon erwartet wurden. Es folgte ein Spaziergang durch die Felsengalerie zum Wasserfall, wo wir den Rhein trockenen Fußes unterschritten. Auf der Terrasse des sich dort befindenden Hotels machten wir einen kurzen Halt.

Bevor es nun zurück in Richtung Bergün ging, folgten wir der Landstraße und hielten noch an der Via Mala. Sieben Kilometer lang ist die Via Mala Schlucht zwischen Zillis und Thusis. Die Via Mala, der „böse Weg“, war seit der Römerzeit lange die einzige Verbindung zwischen dem Domleschg und dem Süden. Es war ein so gut wie ungesicherter Weg am Hang der Schlucht, oberhalb des reißenden Wassers. Erst im 18. Jahrhundert errichteten Transportgesellschaften Bogenbrücken aus Naturstein. In die Schlucht hinunter führen 321 Treppen. Aber auch von einer der Brücken aus hat man einen guten Blick in die Schlucht. Schließlich machten wir uns auf den Rückweg. Am Abend begaben wir uns zum Abendessen, wieder in die für uns reservierte Arvenstube, um dort den Abend ausklingen zu lassen. An den folgenden Tagen befuhren wir die bekanntesten Alpenpässe Graubündens, sowie einige bekannte Insider Straßen. Dieses nun ausführlich zu beschreiben würde den Rahmen sprengen. Das Wetter spielte in der gesamten Woche wieder erwartend mit, sodass wir immer wieder offenfahren konnten.

Dienstagmorgen fuhren wir zunächst nach St.Peter in Mistail einer der ältesten Sakralbauten der Schweiz erbaut um das Jahr 800. Weiter ging die Fahrt nun zum TOP OF THE WORLD St.Moritz. Angekommen ging es ab ins unterirdische Parkhaus mit 700 Parkplätzen. Das Parkhaus verbindet, durch die längste Rolltreppe der Schweiz, den See mit dem Dorf, zum Missfallen oder aber auch zum Glück, ist noch keine Saison und die meisten Geschäfte waren geschlossen, schade. Selbst der Himmel nahm es zum Anlass uns seine Wolken zu zeigen. Zur gemeinsamen Kaffeepause trafen wir uns im Yachtclub von St.Moritz am See. Eine Frage beim Frühstück von Gerd nach den Eichhörnchen die wir schon 2009 besuchten, veranlasste mich morgens vor der Abfahrt noch schnell Haselnüsse zu besorgen und nahm es somit zum Anlass die Rückfahrt von St.Moritz nach Bergün über Davos mit einem Abstecher an den Davoser See zu den Eichhörnchen vorzunehmen.

Am Mittwochmorgen mussten wir wegen unseres Termins schon um 9 Uhr starten. Der Albulapass war Richtung Engadin für einen Tag gesperrt, wegen Straßenbauarbeiten. Unser Besuch bei Kaffee Badilatti in Zuoz, mit Caferama und hauseigenem Museum, sowie einer Betriebsführung mit Degustation brachte viele Informationen und wissenswertes rund um den Kaffee mit sich. Nach einigen Stunden fuhren wir weiter in Richtung Bernina mit einem Stopp an der Montebellokurve. Im Hintergrund sind der Piz Bernina, sowie der Morteratschgletscher zu sehen. Livigno war das Ziel, es liegt auf einer Höhe von 1816m in den Livigno-Alpen, und ist zollfreie Zone, was wir unteranderem auch zum Tanken nutzten. Nach dem Tanken war ein Lächeln in unseren Gesichtern zu sehen. Es sollte eine kleine Shopping Tour folgen, im Zentrum von Livigno, jedoch erst nach einem gemeinsamen Mittagessen, wo vor unseren Augen die Ortspolizei eine Geldbuße an einem Fahrzeug anbrachte, gut das wir wie bekannt ist nur auf ausgewiesenen Parkplätzen geparkt hatten, denn das Bußgeld war höher als die Kosten einer kompletten Tankfüllung. Einige Teilnehmer wären gerne länger vor Ort geblieben, jedoch musste ich leider zur Weiterfahrt drängen, vorbei am Lago di Livigno, über die 130m hohe Staumauer und weiter durch den 3385m langen Munt la Schera Tunnel. Wieder auf der Schweizer Seite fuhren wir entlang der Spölschlucht Teil des Nationalparks, geht es jetzt ins Unterengadin nach Guarda. Das Dorf des „Schellen-Ursli“ liegt auf einer Sonnenterrasse hoch über dem Inn. Guarda ist heute praktisch verkehrsfrei. Der originale Zustand des Ortes ist gut erhalten. Das Abendessen wurde an diesem Tag später eingenommen, was aber der Stimmung nicht schadete. Am sonnigen Donnerstag nach dem Frühstück fuhren wir über Lenzerheide, wo man schon die Veranstaltungsplakate der am Wochenende stattfindenden Oldtimerrennen er späte. Mit dem Gedanken, da muss ich hin, fuhren wir nach Chur die Hauptstadt des Kantons Graubünden, wo wir die Altstadt besichtigten. Am Arcas Platz nutzten wir die Gelegenheit im Schatten zu einer Erfrischung. Nach dem erreichen unserer Wagen, sollte es nicht durch die Stadt, sondern auf die Autobahn gehen, nur um diese sofort an der ersten Abfahrt wieder zu verlassen. Weiter ging die Fahrt über Landstraßen, durch Klosters nach Davos, wo wir auf einem kostenlosen Parkplatz nahe der Promenade unsere Fahrzeuge abstellten und einen kleinen Rundgang machten.

Um 14Uhr ging es weiter in die Grande Dame der Davoser Kaffeehäuser Schneiders. Bei reichlichem Kalorienverzehr beschlossen wir zum gemeinsamen Abbau dieser Kalorien einen Besuch in einer Autowaschanlage, welchen wir auch sogleich umsetzten. Nachdem die Wagen wieder mit der Sonne um die Wette glänzten, wurde zurück in Bergün noch ein gemeinsames Foto einiger Teilnehmer vor dem Eisenbahnmuseum gemacht.

Es folgte noch eine kleine Fahrt nach Latsch oberhalb von Bergün. Bekannt als Teil des Drehortes des Heidi Films von 1952. Die Fahrt hinunter wieder zum Bahnhof, ging über die alte Straße. Danach glänzten zum leitwesen einiger die Wagen nicht mehr ganz so stark, was jedoch wie erwartet gelassen aufgenommen wurde. Die An- und Abfahrt vom Bahnhof wurde in Absprache von einem Eisenbahn Fan gefilmt und mir zugesandt. Die Freitagstour führte uns entlang des Vorderrheins nach Versam mit Aufenthalt im Gasthaus Rössli. Weiter fuhren wir nach Disentis / Muster mit Rundgang im Benediktiner Klosters Disentis, mit einem Aufenthalt in der Klosterschänke.

Aber was wäre schon eine Planung für eine 7 Tage Schweiz Tour inklusive Prüfung des Wagens, wenn nach dem einsteigen keine 10 Meter weiter kommt, trotz motorlauf super Gas Gebens bis zum Anschlag, da einen Kleinteile für 6 Euro im Stich lassen?! Was für ein Glück das eine Kfz Werkstatt nur einige Meter entfernt war und mir innerhalb kürzester Zeit mit einem Provisorium helfen und eine weiterfahrt gewährleisten konnte. In der folgenden Woche meiner privaten Tour wurde im Autohaus Möhrle in Freudenstadt die ich aus der Schweiz dank Classic Center App telefonisch kontaktierte, die Reparatur vorgenommen (Gelenkteile der Motorregulierung – Buechse – Abstandsring – Gelenkkugel erneuert). Freundlich, schnell, kompetent und nicht überteuert, Dank an die Firma Möhrle.

Beate führte die Gruppe während meines kurzen Ausfalls sicher zurück. Peter und Helga blieben bei uns. Durch unsere Ortskenntnisse waren wir noch vor der Gruppe wieder im Hotel und unser für den am späten Nachmittag versprochener Rundgang durch Bergün konnte noch stattfinden. Eine Orgelkonzertprobe konnten wir zufällig auf unserem Rundgang in der alten Kirche mit Zugabe für uns anhören. Die kleinen Hofläden der Ortsansässigen Bauern mit ihren regionalen Produkten wurden von einigen sofort besichtigt und auch zum Kauf genutzt.

Vor dem heutigen Abendessen überreichte ich eine Erinnerung, zu unserem zweiten Aufenthalt nach 2009 im Hotel Weißes Kreuz in Bergün an Herrn Thomas Baer, der wie seine Gattin und das gesamte Team alles bestens arrangiert hatte. Die Abende waren ein geselliges miteinander, mit vielen Witzen, dank Otto der sofort für Stimmung sorgte, was wieder andere zum Witze erzählen anregte und somit zu einer täglichen Steigerung führte. Marie Anne überraschte uns an einem Abend mit einer mitgebrachten Original Flasche Killepitsch, was zur Freude aller sehr gerne dankend angenommen wurde.

Es gab sogar einen aus der Gruppe, der trotz bereitgestelltem Wasserschlauch, es sich nicht nehmen ließ am ersten Morgen um sechs Uhr in der Früh am nahen Dorf Brunnen sich einige Eimer, mit Wasser zu holen um seinen Wagen zu waschen. Das nenne ich vorbildlich, wurde aber nicht nachgeahmt.

Der Samstag stand zur freien Verfügung. Einige fuhren nach Lenzerheide zur Oldtimerveranstaltung, zum Shoppen, oder einige unternahmen am letzten Tag mit uns gemeinsam eine Fahrt mit der Darlux Seilbahn zum Bergrestaurant La Diala, in 1974m Höhe. Im Bergrestaurant La Diala, stärkte sich die Gruppe mit einem Hexen Kaffee mit vielen Prozenten. Der Bergwanderweg führt hoch über dem Val Tuors über den Panoramawanderweg, herunter nach Bergün.

Neben all den kulinarischen Köstlichkeiten endeckten wir während unserer Tour auch viele weitere faszinierende Sehenswürdigkeiten, historischer Bauten und geschichtsträchtigen Orte. Bei allen Routen galt es auch einfach mal anzuhalten, auszusteigen um sich in Ruhe umzuschauen und die Eindrücke zu genießen, was leider nicht immer gelungen ist. Erstaunlich war es, dass es keine Tagestour ohne Straßenbauarbeiten gab. Es war schon schade, dass die Woche so schnell vorüber war und wir die Heimreise antreten mussten. Zugleich waren wir jedoch auch erleichtert, dass wir von Unfällen oder Ausfällen verschont blieben.

Zum Ende möchte ich mich auch hiermit noch einmal bei allen Teilnehmern bedanken. Der Franken Kurs der nur noch zum Kopfschütteln ist, hatte zum Glück keine Auswirkung auf die Stimmung. Danke an alle! Es war eine super Truppe!

Ein besonderer Dank gilt auch dem Hotel „Weisses Kreuz“ in Bergün, dass auf unsere Sonderwünsche eingingen und das sich somit auch für andere Tourenfahrer empfiehlt.

Hans – Joachim.Jungbluth