Tag der Anderen, die Ost-Harz-Tour

 

Statt Mercedes heute mal Morgan, statt SLC heute mal 911, statt SL heute ein Audi oder Volvo Cabrio: der Tag der Anderen eben. Ein SL hielt die Fahne hoch, sonst ein bunter Marken- und Karosseriemix, der sich auf den Weg machte. Vorher erhielten alle Teilnehmer das Roadbook, dass bis zur Mittagspause strikt gen Osten führte. Los ging es in Nörten-Hardenberg vor unserem Clublokal und dann über Kreisstraßen an den westlichen Harzrand bei Osterode. Ausgedacht hatte sich die Route der RT-Leiter, der gespannt war, wie denn die Tour ankommen würde. Verschlungene Straßen, kurvige Steigungen, eine Serpentine nach der anderen: wir schraubten uns den Harz hinauf.

Wir hatten Kaiser-Wetter erwischt, die Laune stieg mit den Höhenmetern. An Braunlage vorbei surften wir auf wenig befahrenen Straßen über die ehemalige deutsch-deutsche Grenze. Die Harzhöhenstraße unter den Rädern konnte man das breiteste Grinsen im Gesichte unserer Teilnehmer sehen: Freude pur! Plötzlich jedoch erreichten wir eine gespenstische Szenerie: tausende von Baumstümpfen, entnadelt, grau, dicht an dicht. Apokalypse, totes Land; hektarweise. Hier hatte vor zwei Jahren im Frühling der Sturm Frederike gewütet, Trockenheit und die Borkenkäfer hatten den Rest an den Tannen erledigt. Es wird Jahrzehnte dauern, bis dieses Gebiet wieder das menschliche Auge erfreut. Aber das eben gehört auch dazu, vor lauter Glückseligkeit die Realität nicht zu vergessen. Kaum erschien der erste Mischwald, strahlte uns sattes Grün entgegen, so, wie wir es auch auf dem Anstieg wahrgenommen hatten. Die kleinen Orte durchfuhren wir staunend, in welch kleinen Häusern hier die Menschen seit Jahrzehnten und Jahrhunderten leben. Vereinzelt holt sich die Natur verlassene Anwesen zurück.

Dann bogen wir gen Süden ab und erreichten im Konvoi unser erstes Zwischenziel. Wie konnte sich der Chronist freuen, dass dieses wunderbare Städtchen, ein wirkliches Kleinod der Fachwerkkunst, überragt von einem gewaltigen Schloss auf hoher Warte, von niemandem bisher Beachtung gefunden hatte: Stolberg war ein Volltreffer. Unser Lokal typisch für die Berggegend, als sei man in Bayern oder Österreich. Wir tauchten ein in diese Stimmung, saßen an einzelnen Tischen in kleinsten Gruppen, genossen das gute Essen und den Austausch der bisherigen Ereignisse der Fahrt. Dann schwärmten wir aus, zu Fuß eroberten wir Straßen, Plätze, besuchten Ausstellungen und kleine Läden.

Ganz entspannt kamen wir wieder zusammen, um den zweiten Teil in Angriff zu nehmen. Am Ostrand des Harzes fuhren wir durch eine sanft hügelige Landschaft, frische Bäche plätscherten am Wegesrand, der Harz zeigte seine idyllische Seite. Wir konnten uns Zeit lassen, dachten wir jedenfalls. Aber dann kam die Silhouette von Quedlinburg in Sicht. Die gewaltige Burganlage, das Weltkulturerbe, ist absolut eine Reise wert. Den ganzen Tag könnte man hier verbringen, so viel gibt es zu sehen und zu bestaunen. Offenbar war das an diesem Tag einigen Artgenossen eingefallen, denn die Parkplatznot war groß. Als wir dann endlich alle unsere Fahrzeuge platziert hatten, mussten wir uns dann doch ein wenig beeilen, um rechtzeitig in unserem Marktcafé einzutreffen. Dort angekommen, wurden wir freundlich begrüßt und bekamen unsere Plätze zugewiesen. Mächtige Torten, fruchtige Obstkuchen, allerlei Leckereien: für gute Verpflegung und gute Stimmung war gesorgt. Nach Lust und Laune konnte dann individuell noch dieses traumhafte mittelalterliche Städtchen besichtigt werden, denn der offizielle Teil der Fahrt war abgeschlossen.

Das Roadbook konnte für die Rückfahrt zwar eingesetzt werden, aber jeder hatte Gelegenheit, seine eigene Streckenführung nach Hause zu wählen. Der Tag der Anderen war ein tolles Event, rundum gelungen und Axel Görs konnte sich über viel Lob und glückliche Gesichter freuen.

Dr. Axel Görs