Der RT 37 auf Burgen- und Schlössertour

Endlich wieder die Räder rollen lassen, endlich wieder in Gemeinschaft ein paar schöne Stunden verbringen; nach Monaten des Stillstandes waren alle Teilnehmer unserer Ausfahrt voller Vorfreude auf unsere erste Tour.

Südniedersachsen ist voller Schlösser und Burgen. Der Adel schätzte die hügelige Landschaft und baute an den strategisch wichtigen Handelsrouten seine Sitze, um Zölle zu erheben, sich zu repräsentieren und sich gegen Angriffe zur Wehr zu setzen. Wenn auch viele Burgen verfallen sind und die Schlösser nur mit viel externer Hilfe erhalten werden können, so ist doch dieses Kulturgut wert, es zu besuchen, zu würdigen und mit unserer Jetztzeit in Verbindung zu bringen. Denn wie verstehen wir uns besser, als wenn wir unsere Wurzeln verstehen.

So brachen wir also auf, mit unseren eigenen technischen Kulturgütern der Historie Referenz zu erweisen. Gestartet wurde an der Burg Hardeg, dessen wechselvolle Geschichte uns unser Streckengeber für den ganzen Tag, Ralph Fiedler, erklärte. Ich will vorweg nehmen; wir lernten: entweder die Welfen, die Braunschweiger oder das Rittergeschlecht aus Dassel hatten im Laufe der Geschichte unserer Burgen und Schlösser immer wieder ihre Finger im Spiel, wenn es um Eroberungen, Abtretungen oder Zerfall ging. Nach den vielen mittelalterlichen Eckdaten mussten wir zum Glück anschließend keinen Test machen, was denn alles an Wissen hängen geblieben war. Aber soviel sei gesagt: die Geschichte dieses Anwesen hat uns sehr beeindruckt. Nächstes Ziel war die Erichsburg nahe Dassel und Einbeck. Hier übernahm unser junges Mitglied Hannes die Berichterstattung über Entstehung, Wechsel der Besitzverhältnisse und aktuelle Nutzung. Uns schauderte schon, dass das Dach dieses ehrvollen und standesgemäßen Gebäudes zum Teil nur von einer Plane geschützt wird. Und die Bäume, die aus dem Dach wachsen, lassen nichts Gutes vermuten über den Zustand des Mauerwerkes. Hoffentlich findet sich bald eine sinnvolle Nutzung und ein Geldgeber. Denn, das ist bekannt, ein wunderbarer Gewölbekeller bot noch vor nicht langer Zeit den Rahmen für Gauklerspiele und  Rittermahle.

Weiter ging es über kurvenreiche Strecken zur Heldenburg nach Einbeck, wo bereits die ersten Mitfahrer darüber staunten, welche Schätze es in der unmittelbaren Umgebung gäbe, die man bisher einfach nicht wahrgenommen habe. Die Tour hatte unser RT-Leiter mit den Anlaufpunkten angeregt, und nun war er an der Reihe, Historisches zu berichten. Zum Glück gab es vor Ort informative Schautafeln, da musste er nur ablesen…

Weiter ging es gen Norden auf einer einmalig schönen Strecke bis nahe Hannover, zum Schloß Marienburg. Man könnte es das Neuschwanstein des Nordens nennen, denn Bauzeit und Stil passen zueinander. Zugegeben ist das südliche Pendant noch eindrücklicher, wie sich der Autor dieses Berichts während der wundervollen Neuschwanstein-Tour anlässlich des Jahrestreffen des Clubs in München 2019 erinnert.

Nach einer Stärkung zum Mittag ging es in weiten Zügen und durch dichte Wälder des Sollings Richtung Weser. Endziel war das Schloß Fürstenberg, wo auch die weltberühmte Porzellanmanufaktur beheimatet ist. Im lauschigen Biergarten des angegliederten Cafés und mit freiem Blick aus erhöhter Warte verfolgten wir den Flusslauf, plauderten aufgeregt über die Ereignisse des Tages. Ja, es war ein langer Trip, aber unsere 107er haben wieder einmal ihre Standfestigkeit bewiesen, obwohl sie ein wenig außer Übung waren. Und im Insgeheimen waren sie vielleicht doch schneller wieder in Schwung als ihre Fahrer und Beifahrer, die sich dann doch einigermaßen erschöpft auf die abschließende Heimreise machten.

Doch wie ermattet alle auch waren: das Dach geöffnet, den Himmel über sich, das tolle Gefühl einen SL (die SLC blieben an diesem Tag zu Hause) zu fahren, die kurvigen Strecken zu beherrschen, die Gemeinschaft zu pflegen und vielen andere Gründe – was gab es an diesem Tag Schöneres? Corona war für Stunden vergessen.