Liebeserklärung an die Mosel

Wenn Sonntag Morgen um 6:00 Uhr der Wecker klingelt, habe ich schlechte Laune. Immer? Nein, nicht immer, denn heute freue ich mich auf die Reise des RT 28 an die Mosel. Um 8:45 Uhr ist Treff am McDonalds an der Abfahrt 66 der A1. Das Wetter ist gutMosel_01und nach einer freundlichen Begrüßung durch unseren Reiseleiter und Organisator Rolf Schumacher gehen um 9:10 Uhr 10 Fahrzeuge des Typ R 107 auf die Reise nach Enkirch/Mosel. Es ist natürlich eine Demonstration, wenn 10 Autos dieses etwa 30 Jahre alten Typs in Kolonne mit etwa 120 km/h über die Autobahn rollen. Die SL laufen klasse, nur die letzten Fahrer sind mit Geschwindigkeiten von teilweise 150 km/h kurz vor dem Verlust des Führerscheins. Aber so ist das bei Kolonnenfahrt: Die Letzten sind die Schnellsten, aber sie bleiben die Letzten. Kurz vor Köln meldet das Wetterradar dann Regengefahr und inMosel_02einer konzertierten Aktion werden die Verdecke hochgezogen. Ab Bad Neuenahr/Ahrweiler verschwindet der Konvoi auf den kleinen kurvigen Landstraßen der Hoch- und Vulkaneifel. Bei einem weiteren ungeplanten Zwischenstopp in der Nähe des Nürburgringes betanken wir unsere Fahrzeuge. In der Eifel brodelt es Heute nicht nur unter der Oberfläche. Schließlich bildet die Region eine der größten Vulkanlandschaften Mitteleuropas. Der Asphalt kocht auch auf den Straßen, denn eine Oldtimerrallye mit allem was in den 50er, 60er und 70er Jahren an Traumwagen gebaut wurde, sorgt trotz des Landregens für gute Stimmung: Ein Ford GT 40, Healey 3000, ein Morgan aber auch 2 Heckflossen sollen nicht unerwähnt bleiben. Das letzte Stück fahren wir dann auf den Serpentinen kleiner und kleinster Eifel- und Moselsträßchen. Die meisten Geraden sind kaum länger als unsere Motorhauben. Um 16:00 Uhr erreichen wir nach etwa 470 km das Landhotel Neumühle in Enkirch und werden vom Eigentümer Peter Huesgen und seinem Serviceteam freundlich empfangen und auf die Zimmer verteilt. Das heutige Treckertreffen im Ort ist schon interessant, aber viel wichtiger ist, dass unsere Fahrzeuge alle ohne Probleme, Defekte oder ADAC-Hilfe ans Ziel gekommen sind. Aber ganz ehrlich, so wie die Fahrzeuge gepflegt werden, habe ich auch nichts anderes erwartet.Mosel_03Der zweite Tag steht ganz im Zeichen einer Schiffstour von Traben-Trarbach nach Bernkastel-Kues. Heute spielt der Wettergott ganz ordentlich mit, denn bei Temperaturen um 20° C sitzen wir recht entspannt an Bord und erkunden leichten Fußes Bernkastel. Die Stimmung in der Gruppe ist gut und es haben sich längst kleine Grüppchen gebildet, die gemeinsam durch den Ort „marodieren“. Weil unser Vorstand – bestehend aus Rolf und Horst Schumacher – für heute einen kleinen Bus geordert hat, kann auch jeder ein Gläschen Wein probieren. Punkt 18:00 Uhr sitzen wieder alle im Hotel und freuen sich auf die wirklich hervorragende Salatplatte, die trotz der fantastischen warmen Gerichte nicht zu übertreffen ist. Der Abend steht wieder einmal zur freien Verfügung, aber wer Lust hat, kann bei Peter Huesgen Pagoden (W 113) anschauen. Seine beiden 280 SL sind ein „On Topp“ zu unseren R 107. Die Schiffsfahrt heute war sehr schön, aber der ab 20:00 Uhr einsetzende Regen läßt uns dann doch schnell altern. Gegen 22:00 Uhr löst sich die Gruppe zur Nachtruhe auf.
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Am Dienstag nutzen wir einen Tourenvorschlag von Peter Huesgen: Eine Strecke, die uns nicht nur entlang der Mosel, sondern auch über die herrlichen Hochstraßen und durch die Weinberge führt. Nach ungefähr 60 km erreicht die Gruppe mit fünf Fahrzeugen den Zummethof in Leiwen. Nicht nur hier zeigt sich, dass die Mosel-Restaurants neben hervorragenden Salattellern noch bessere Gulaschsuppen auf der Speisekarte haben. Das Wetter ist teils bewölkt, teils sonnig, es gibt aber auch regnerische Phasen, die sofort beendet sind, wenn wir die Kapuzen unserer Autos hochgezogen haben. Auf diese Weise ändern wir zweimal den Verdeckzustand von offen auf geschlossen. Unser letztes Ziel ist Kloster Machern, ein ehemaliges Kloster der Zisterzienserinnen gegenüber der Ortschaft Zeltingen-Rachtig am linken Ufer der Mosel. Das Anwesen befindet sich auf dem Gebiet von Bernkastel-Kues etwa fünf Kilometer nordwestlich der Stadt.
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Im 13. Jh gegründet, bestand es bis zu seiner Säkularisierung durch die französische Regierung im Jahr 1802. Anschließend landwirtschaftlich genutzt, verfielen seine barocken Gebäude allmählich, ehe sie ab 1970 Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten unterzogen wurden. Heute ist die Klosteranlage ein bekanntes Ausflugsziel an der Mittelmosel  mit Klosterbrauerei und Brauhaus, Weinkeller und einem Museum. Die ehemalige Krypta, die heute einen Verkaufshop für Liköre, Speiseöle und Balsamico-Essige beherbergt, war das bevorzugte Ziel unserer Ladies. Peter Huesgen, der diese Strecke gelegentlich recht sportlich zum Streßabbau mit seinen Pagoden abfährt, ist weniger an der Gastronomie als an der Streckenbeschaffenheit interessiert. Nach 122 km kommen alle Fahrzeuge wieder – ohne Probleme – nach Enkirch. Wieder einmal können wir alle ganz stolz auf unsere Fahrzeuge sein, denn mit einem R 107 sind wir nicht nur schnell und sportlich, sondern auch sehr zuverlässig unterwegs. Ich vermeide hier den Begriff des „Schätzchens“ ganz bewußt, denn die Schätzchen sitzen auf dem Beifahrersitz. Achja, an dieser Stelle noch einmal eine Anmerkung zu unseren Teilnehmern: Das sind keine feinen Pinkels, die beim Kaffeetrinken den kleinen Finger abspreizen, sondern eine feine Clique die lacht und Spaß hat. Kurz eine Supertruppe.
Für den heutigen Mittwoch steht eine Fahrt zur Burg Eltz an. Man muss nicht reich sein, um zu wissen, dass die Burg Eltz auf dem ehemaligen 500 DM-Schein abgebildet war. Sie ist eine Höhenburg auf 320 m ü. NN südlich der Ortsgemeinde Wierschem  und ist eine der bekanntesten Burgen Deutschlands sowie ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention.
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Wenn ihr jetzt auch noch wissen wollt, warum die Burg Eltz auf dem 500 DM Schein eine traurige Berühmtheit erlangt hat: Vom 25. März bis zum 26. April 1996 war Jan-Philipp Reemtsma Opfer der so genannten Reemtsma-Entführung. Seine Verschleppung, Gefangenschaft und Befreiung hat er im Buch „Im Keller“ geschildert und reflektiert. Es gelang ihm danach, den Entführer durch von ihm beauftragte Ermittler in Südamerika ausfindig zu machen und so der Strafjustiz zu übergeben. Das Lösegeld wurde aufgrund der Höhe in 500 DM-Scheinen gezahlt. Der 500er wurde danach aus dem Verkehr gezogen.
Das nächste Ziel ist Beilstein: Der Ort gilt als Perle der Moseldörfer. Unterhalb des Karmeliterklosters und dessen Barockkirche schmiegen sich Fachwerkhäuser am Hang über dem Fluss. Dazwischen winden sich Gässchen und Treppenaufgänge. Der Höhepunkt ist die Burgruine Metternich. Nach einer Kaffepause geht es zurück nach Enkirch.
Übrigens die Moselsträßchen: Hier wünscht sich jeder ein Motorrad und die Begeisterung fürs Motorradfahren. Nicht unbedingt eine MZ, vielleicht eine Harley-Davidson, aber am besten eine BMW. Weil es auch da unterschiedliche Meinungen gibt und ich die Diskussionen fürchte, von  mir aus auch eine MZ oder einen japanischen Joghurtbecher. Und weil wir nichts davon bei uns haben, kann ich wieder bestätigen: Unsere R 107 können auch Motorradstrecken.
Apropos Moselsträßchen: Horst Schumacher führt uns die letzten 20 km nach Hause und weil er  seinem Navigationssystem erlaubt hat, auch kleine und kleinste Wald- und Feldwege zu benutzen grenzt die Heimfahrt fast an eine lange Karusselfahrt. Es muss mir wohl die Freude über die kurvenreiche Strecke anzusehen sein, denn Annette sagt zum Schluß, dass es sehr teuer wird, wenn mein Schönheitsoperateur mir mein dämliches Grinsen aus dem Gesicht wegoperieren muss.
Der heutige Abend endet mit einer Weinprobe im Weingut Norbert Schütz. Ich nehme es vorweg, ich habe schon bessere Weinproben erlebt, aber das soll jeder für sich selbst entscheiden.
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Am letzten Tag hat es Enkirch durchaus verdient, in diesem kleinen Bericht erwähnt zu werden:  Der Name des Ortes entwickelte sich von Anchiriacum über Ankaracha – Anckircha und Enkricha zu Enkirch. Schon lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 733 war das Gebiet von Enkirch besiedelt. Dies beweisen zahlreiche Fundstücke, die in den Enkircher Heimatstuben ausgestellt sind. Die schönsten Gebäude sind der „Alte Pitter“, das älteste Fachwerkhaus aber auch der Drilles im Spilles, ein Gefängnis. Zum Schluß sei auch noch die evangelische Kirche erwähnt.
Am Freitag, dem 2. August 2013 ist Rückreisetag. Eine Demonstration wie am Anreisetag soll aufgrund der Witterungsbedingungen ausgeschlossen werden. Bei 39° C macht sich jeder nach eigenem „Gustus“ auf den Weg. Ohne jetzt einen Superlativ zu missbrauchen, will ich nur bestätigen: Rolf hat mit der Organisation der Fahrt ein Meisterstück abgeliefert. Und weil hinter jedem guten Mann eine starke Frau steht, sei auch Sabine erwähnt: Danke für die Organisation. Das zu überbieten, wird für nachfolgende R-107-Generationen sehr schwer werden. Aber nicht nur deshalb wird die Leistungfähigkeit, die Zuverlässigkeit und der Fahrspaß die Freude am R 107 in die Unendlichkeit steigern. Wenn irgend jemand ein besseren Oldie in der Summe der Qualität kennt, soll er es jetzt sagen.

NSD im August 2013

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